Lärmaktionsplan Amt Stargarder Land (Stand: 2018)

1. Allgemeines
1.1. Beschreibung des Untersuchungsraumes und der zu berücksichtigenden Lärmquellen
Im Amt Stargarder Land wurden sieben Gemeinden um die Stadt Burg Stargard zur Erledigung ihrer Verwaltungsgeschäfte zusammengeschlossen. Das Amt liegt im Osten des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte im Süden Mecklenburg-Vorpommerns. Es grenzt an die Kreisstadt Neubrandenburg und an den Tollensesee. Der Amtssitz befindet sich in Burg Stargard.
Das Amt ging aus dem ehemaligen Amt Burg Stargard-Land hervor. Am 1. Juli 2002 wurde die vormals amtsfreie Stadt Burg Stargard in das Amt eingegliedert; der Amtsname wurde dabei in Amt Stargarder Land geändert. Mit der Eingemeindung von Teschendorf nach Burg Stargard am 27. September 2009 und Cammin am 26.Mai 2014 verringerte sich die Zahl der amtsangehörigen Gemeinden auf sechs.
Als unmittelbares Einzugsgebiet von Neubrandenburg wird das Gebiet des Amtes Stargarder Land gern als Wohnort im Grünen genutzt. Die Gemeinden sind überwiegend landwirtschaftlich geprägt, der Tourismus spielt insbesondere am Tollensesee eine Rolle. Durch das Amtsgebiet führen die Landesstraßen 33, 331, sowie die Bundesstraßen 96 und 104.

1.2 Für die Aktionsplanung zuständige Behörde
Der Amtsvorsteher des Amtes Stargarder Land
Mühlenstraße 30, 17094 Burg Stargard
Tel: 039603/25310, Homepage: www.burg-stargard.de

1.3 Rechtlicher Hintergrund
Zur Umsetzung der Umgebungslärmrichtlinie 2002/49/EG sind gemäߧ 47 c Bundesimmissionsschutzgesetz Lärmaktionspläne für die Hauptverkehrsstraßen aufzustellen, mit denen Lärmprobleme und Lärmauswirkungen geregelt werden für,, … Orte in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen mit einem Verkehrsaufkommen von über drei Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr … “. Grundlage für den vorliegenden Lärmaktionsplan bildet die Lärmkartierung des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie MV vom 30. Juni 2017 (vgl. Anlage 2).

1.4 Geltende Grenzwerte
Geltende nationale Grenzwerte sind in der Anlage 1 zusammengefasst.
Lärmaktionsplan Amt Stargarder Land (Stand : 2018)

2. Bewertung der IST-Situation
2.1 Zusammenfassung der Daten der Lärmkarten
Durch das LUNG MV wurden entsprechend§ 47c Absatz 1 Bundes- lmmissionsschutzgesetz die bestehende Kartierung mit einem Verkehrsaufkommen von über drei Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr (ca. 8.220 Kfz/Tag), um die Hauptstraßen des Amtes Stargarder Land aktualisiert.
Für die Bestimmung der betroffenen Bewohner wurde die Methode der VBEB8 herangezogen. Die Bewohner eines Hauses werden nach dieser Methode gleichmäßig auf die für das Gebäude festgelegten Immissionsorte verteilt. Der so bestimmte Wert „Einwohner pro Immissionspunkt” wird dem Immissionswert an diesem Punkt zugeordnet (Pkt. 3.4
VBEB).
Durch den Straßenverkehrslärm werden an den kartierten Straßen
338 Bewohner ganztags mit Pegeln LDEN ~ 65 dB(A)
235 Bewohner nachts mit Pegeln LNight ~ 55 dB(A)
belastet, die oberhalb der gesundheitsrelevanten Schwellenwerte liegen.

LDEN

dB(A)

Belastete Menschen – Straßenlärm LNight

dB(A)

Belastete Menschen – Straßenlärm
über 45 bis 50 114
über 55 bis 60 120 über 50 bis 55 116
über 60 bis 65 121 über 55 bis 60 5
über 65 bis 70 95 über 60 bis 65 0
über 70 bis 75 2 über 65 bis 70 0
über 75 0 über 70 0
Summe 338 Summe 235

Tabelle: Betroffene Personen nach Pegelklassen [dB(A)], Bestand (Methode: VBEB)

Geschätzte Zahl der von Lärm an Hauptverkehrsstraßen belasteten Fläche und Wohnungen

LDEN dB(A) Fläche im km² Wohnungen
55 – 65 dB(A) LDEN 3,26 130
65 – 75 dB(A) LDEN 0,71 58
über 75 dB(A) LDEN 0,12 0
Summe 4,09 188

Die höchste Anzahl von Betroffenen gibt es in der Straße Am Kösterpuhl in Groß Nemerow (ca. 50 %). Vergleichsweise gering ist die Anzahl der Betroffenen dagegen in der Grabenstraße in Burg Stargard.
Eine Verbesserung der Situation kann nur durch die Straßenbaulastträger der betroffenen Gebiete erzielt werden. Das Straßenbauamt Neustrelitz und der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind in diesen Fällen zuständig. Es bestehen keine baulichen sowie finanziellen Verbesserungsmöglichkeiten seitens der Stadt Burg Stargard und der betroffenen Gemeinden.

2.2 Bewertung der Anzahl von Personen, die Lärm ausgesetzt sind
Im gesamten Amtsbereich sind gemäß Lärmkartierung 2017 Lärmbelastungen durch Straßenverkehrslärm im folgendem Umfang festzustellen:
Etwa 338 Einwohner des Amtsbereiches Stargarder Land sind am Tage von Verkehrslärm belastet. Das entspricht einer Betroffenheit von 3,44 %. In der Nacht sind es geschätzte 234 Einwohner, also 2,39 % der Amtsbevölkerung.

Die Zahl der Einwohner, die einer potentiell gesundheitsgefährdeten Lärmbelastung ab einer Lautstärke von 65 db(A) ausgesetzt sind, liegt bei 97 Personen (0,99 %). Die Betroffenheiten konzentrieren sich auf die Bundesstraße B 96 und Landesstraße 33, insbesondere auf die Ortsdurchfahrt Burg Stargard sowie auf die Einzelhäuser entlang der B 96 im Gemeindegebiet Groß Nemerow. Für den Bereich der B104, insbesondere die Ortsdurchfahrten Cölpin und Pragsdorf, ergeben sich ebenfalls Betroffenheiten, die im Vergleich zu der Lärmkartierung 2012 jedoch verminderte Lärmemissionen aufweisen. Die B 104 sowie weitere Landesstraßen sind Lärm relevant, unterliegen aber nicht dem§ 47 a-f Bundesimmissionsschutzgesetz.
Die Zahl der von Umgebungslärm durch Hauptverkehrsstraßen mit mehr als 3 Mio. Kfz pro Jahr (8.200 Kfz/ Tag) betroffenen Personen im Amt Stargarder Land ist somit bezogen auf die Gesamteinwohnerzahl als auch auf die Höhe der Belastung als gering zu bewerten.

2.3 Angabe von Lärmproblemen und verbesserungsdürftigen Situationen
Auf Grundlage der Lärmkartierung werden für den Amtsbereich Stargarder Land, speziell die Stadt Burg Stargard, Mühlenstraße – im Bereich der L 33, Lärmprobleme aufgrund der Verkehrsbelastung festgestellt, die gleichzeitig verbesserungsbedürftig sind.

3. Maßnahmenplanung
3.1 Bereits vorhandene Maßnahmen zur Lärmminderung
Im Amtsbereich sind keine Fälle akuter Lärmbelästigung bekannt, so dass die Notwendigkeit des Ergreifens von Maßnahmen zur Lärmminderung bislang nicht nötig war. Bestehende Ampelanlagen auf der L33 und B 96 steuern den Verkehrsfluss in den Ortslage Burg Stargard und entlang des Ortes Groß Nemerow. Dadurch können jeweils Unterbrechungen des Verkehrsflusses erreicht werden, die zu geringeren Geschwindigkeiten und damit zur Lärmminderung beitragen. Jeder anliegende Hauseigentümer an einer Bundes- bzw. Landesstraße hat die Möglichkeit Lärmsanierungsmaßnahmen beim Straßenbaulastträger zu beantragen. Über spezielle Förderungen können durch Bund oder Land bis zu 75 % der Maßnahmen bezuschusst werden. Beispielsweise können betroffene Gebäude entlang der Straße mit Schallschutzfenstern ausgestattet werden.

3.2 Geplante Maßnahmen zur Lärmminderung für die nächsten fünf Jahre
Der Amtsbereich Stargarder Land verfügt lt. Lärmkartenerstellung über ein geringes Aufkommen lärmproblembehafteter Gebiete. Da keine relevanten Lärmbelastungen festzustellen sind, werden keine Maßnahmen zur Lärmminderung für die nächsten 5 Jahre geplant bzw. werden gelten die in Pkt. 3.1 darstellten Maßnahmen weiterhin . Da es sich bei der B 96 und der L 33 um eine Bundesstraße und eine Landesstraße handelt, ist der Baulastträger der Bund bzw. das Land M-V, vertreten durch das Straßenbauamt Neustrelitz. Maßnahmen zur Lärmminderung müssen in Zusammenarbeit mit dieser für die Umsetzung zuständigen Behörde erarbeitet werden. Für die Bundestraße 96 liegt eine Planung zum Ausbau vor, der absehbar stattfinden wird .  Lärmschutzmaßnahmen werden im weiteren Verlauf der Planung mit der Gemeinde abgestimmt. Des Weiteren findet in der Ortslage Burg Stargard im Bereich der Dewitzer Chaussee/ Teschendorfer Chaussee (Bereich Landesstraße 33) eine Baumaßnahme zur Schaffung eines Kreisverkehres statt, welcher lärmmindernde Wirkung haben wird.

3.3 Schutz ruhiger Gebiete/ Festlegung und geplante Maßnahmen zu deren Schutz für die nächsten fünf Jahre
Als Anhaltspunkt zur Festlegung „ruhiger Gebiete auf dem Land” gilt, wenn in einem großflächigen Gebiet Pegelwerte von LDEN = 40 dB(A) am Tag nicht überschritten werden. Besondere ruhige Gebiete, die vor einer Zunahme des Lärms zu schützen sind, werden im Amtsbereich daher nicht festgesetzt. Maßnahmen zur Lärmminderung sind nicht vorgesehen.

3.4 langfristige Strategien zu Lärmproblemen und Lärmauswirkungen
Einer langfristigen Strategie bedarf es nicht, da nach Auswertung der Lärmkartierung 2017 kaum gravierende Lärmprobleme und verbesserungswürdige Situationen vorliegen. Da die vom Lärm betroffenen Bundesstraße B 96 und Landesstraße 33 nicht in der gemeindlichen Baulast liegen, sind die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde zur Regelung gering. Die Gemeinden werden sich beim zuständigen Straßenbaulastträger dafür einsetzen Geschwindigkeitsreduzierungen und die Verwendung von geräuschmindernden Materialien zur Lärmminderung auf den betroffenen Straßenabschnitten zu prüfen und ggf. durchzusetzen. Darüber hinaus bestehen für die amtsangehörigen Gemeinden weitere Möglichkeiten zur Lärmreduzierung; dies betrifft insbesondere das nachgeordnete Straßennetz in eigener Baulast und die Bauleitplanung. Bei der Aufstellung bzw. Änderung von Bebauungsplänen wird die Einarbeitung von Lärmschutzmaßnahmen, wie z.B. Auferlegung des Einbaus von Schallschutzfenstern oder Verstärkung von Wänden/ Dächern, geprüft. Im Bereich der Verkehrs- und Straßenplanung stehen Möglichkeiten, wie der Einbau von lärmarmen Asphalten auf Gemeindestraßen und die Förderung des ÖPNV bzw. des Fahrradverkehrs zur Lärmminderung zur Option.

3.5 Schätzwerte zur Reduzierung der Zahl der betroffenen Personen
Punkt 2.2 gibt Informationen über die Anzahl der Personen, welche in Folge der Aufstellung des Lärmplanes einem erhöhten Lärmaufkommen ausgesetzt sein könnten. Auch im Ergebnis der vorangegangenen Öffentlichkeitsbeteiligung ist festzuhalten, dass innerhalb des Amtsbereiches nur geringe Lärmprobleme durch erhöhtes Verkehrsaufkommen vernommen werden. Somit entfällt diese Angabe.

4. Formelle und finanzielle Informationen
4.1 Datum der Aufstellung des Lärmaktionsplans
Beschluss des Amtsausschusses Stargarder Land vom 21.06.2018

4.2 Datum des Abschlusses des Lärmaktionsplans
Beschluss des Amtsausschusses Stargarder Land vom 21.06.2018

4.3 Mitwirkung der Öffentlichkeit/ Protokoll der öffentlichen Anhörungen
Öffentliche Bekanntmachung im Amtsblatt „Stargarder Zeitung” vom 18.11 .2017 Beteiligung der Öffentlichkeit durch Auslegung des Entwurfs vom 18.11.2017.-20.2.2018 und Veröffentlichung im Internetauftritt des Amtes in gleicher Zeit Beteiligung der Träger öffentlicher Belange vom 18.11.2017 Ergebnisprüfung der Beteiligungen gern. Protokoll vom 20.02.2018

4.4 Bewertung der Durchführung und der Ergebnisse des Aktionsplans
Der Lärmaktionsplan des Amtes Stargarder Land wird gemäߧ 47d Abs. 5 BlmSchG bei bedeutsamen Entwicklungen für die Lärmsituation, ansonsten jedoch nach 5 Jahren, überprüft und erforderlichenfalls überarbeitet. Erfahrungen und Ergebnisse des Aktionsplanes werden dabei ermittelt und bewertet.

4.5 Kosten für die Aufstellung und Umsetzung des Aktionsplans
Für die Aufstellung des Lärmaktionsplanes war die Beteiligung eines Dritten nicht erforderlich. Es sind daher nur die Personalkosten der mit der Erarbeitung des Lärmaktionsplanes beauftragten Mitarbeiters des Amtes entstanden.

4.6 Weitere finanzielle Informationen
Entfällt

4.7 Link zum Lärmaktionsplan im Internet
Der Lärmaktionsplan wird der Öffentlichkeit im Internet unter der Adresse https://www.burg-starqard.de/start/bekantmachungen/ zugänglich gemacht.

Burg Stargard, 27.06.2018

Christoph Ruchay
Mitarbeiter Bau- und Ordnungsamt

Joachim Jünger
Amtsvorsteher